
Nepal – Reisebericht
Lernen, Rituale und tiefe Wandlung im Himalaya
Meine Reise nach Nepal war von Beginn an mehr als ein Ortswechsel. Sie war ein bewusstes Eintreten in einen anderen Rhythmus des Lebens. Schon beim Ankommen im Himalaya spürte ich, dass hier andere Gesetze gelten: Zeit verlangsamt sich, Worte verlieren an Bedeutung, Wahrnehmung wird feiner. Alles richtet sich nach der Natur, nach den Bergen, nach dem Atem.
Die Begegnung mit dem schamanischen Meister war geprägt von einer ruhigen, fast unspektakulären Präsenz – und gerade darin lag seine Autorität. Er lehrte nicht durch lange Erklärungen, sondern durch Tun, Wiederholen, Beobachten. Wir lernten, wie Rituale vorbereitet werden, warum jeder Handgriff Bedeutung hat und weshalb innere Haltung wichtiger ist als Technik.
Besonders eindrücklich war das Arbeiten mit der Trommel. Der Meister machte deutlich, dass Trance kein „Zustand“ ist, den man erzwingt, sondern eine Beziehung – zur eigenen Seele, zu den Spirits, zum Ort. Fehler wurden nicht korrigiert, sondern gespiegelt. Dieses Lernen war fordernd, ehrlich und zugleich zutiefst stärkend.

Eines der kraftvollsten Erlebnisse der Reise war das Ritual des Schneidens der Schicksalsfäden. In der Vorbereitung wurden wir eingeladen, uns bewusst mit wiederkehrenden Mustern, alten Bindungen und inneren Verstrickungen auseinanderzusetzen – nicht analytisch, sondern fühlend.
Während des Rituals selbst entstand ein Raum von großer Klarheit. Mit symbolischen Handlungen, begleitet von Trommel und Gesang, wurden diese unsichtbaren Fäden benannt und gelöst. Der Moment des „Schneidens“ war überraschend still. Kein dramatischer Höhepunkt – vielmehr ein tiefes inneres Nachgeben. Danach stellte sich ein Gefühl von Leichtigkeit ein, als hätte sich etwas gelöst, das lange unbewusst wirkte.
Neben diesem Schlüsselerlebnis war es vor allem das große Schamanenritual, das nachhaltig wirkte. In der nächtlichen Geheim-Zeremonie wurden viele Spirits, Naturgeister, Hilfsgeister angerufen und ich erhielt ein persönliches Schutz-Mantra von den Geistern.
Ebenso prägend waren die anderen Rituale, bei denen es um energetische Verbindung ging. Still, würdevoll und ohne Pathos wurde Raum geschaffen, um das zu würdigen, was durch frühere Generationen getragen wurde – und das loszulassen, was nicht mehr weitergegeben werden muss.
Die Rituale in der Natur, verbanden Körper, Landschaft und innere Bilder auf eine sehr unmittelbare Weise. Der Himalaya wirkte dabei wie ein Resonanzraum: klar, unerbittlich ehrlich und gleichzeitig zutiefst unterstützend.
Zwischen den Ritualen blieb viel Zeit für Stille und auch Gemeinsamkeit im Gästehaus. Diese Phasen ermöglichten Integration und verhinderten jede Form von spiritueller Überforderung. Nebenbei konnten wir auch den Alltag des Dorfes miterleben.
Am Ende der Reise hatte ich nicht das Gefühl, „viel erlebt“ zu haben – sondern Wesentliches. Die Arbeit mit dem Meister, das Schneiden der Schicksalsfäden und die weiteren Rituale haben keine schnellen Antworten geliefert, sondern innere Ordnung geschaffen.
Ich bin aus Nepal zurückgekehrt mit größerer innerer Ruhe und einem tiefen Vertrauen in den eigenen Weg.
Diese Reise ist mehr als ein Ortswechsel
Sie führt Dich zurück zu Deinem inneren Gleichgewicht – wenn Du bereit bist, ihr zu vertrauen.